Satirisch, böse und gar nicht nett

 

Rainer Sander las über das starke Geschlecht

 

kekBoberow. „Der Frauenfreund – die wohl frechste Lesung des Jahres“ steht irgendwo zu lesen. Und wer sich am

 

vergangenen Sonnabend zur Boberower Moorscheune aufmachte, um nach einem feinen Spezialitätenbüfett und mit süffigen

 

Getränken bestückt – und dazu vielleicht noch einen Platz in einem der äußerst gemütlichen Großvatersessel ergattern

 

konnte – um dem boshaft-satirischen und gar nicht netten Vortrag Rainer Sanders zu lauschen, wird dieser Kurzbeurteilung

 

voll zustimmen. Dabei ist der in Wittenberge lebende Autor alles andere als unzugänglich. Und schließlich war sogar aus dem

 

nicht sehr nahe gelegenen Lenzen eine Schar von weiblichen Fans gekommen, um die kratzbürstigwitzigen Ausführungen

 

des „Frauenkenners“ zu genießen und mit ihm in der Pause plaudern zu können.

 

„Mir geht es darum, die Frauen als das starke Geschlecht darzustellen, das sie in Wirklichkeit sind, und wenn sich gegen

 

Ende meines Vortrages Mann und Frau augenzwinkernd anblicken, habe ich mein Ziel erreicht“, erzählte der Satiriker zu

 

Beginn seiner Lesung. Innerhalb der nächsten zwei Stunden, die nach so viel „starkem Tobak“ unbedingt mit einer Pause

 

versehen werden mussten, gab es regelrechten Zunder. Rainer Sander las mit Lächeln im Gesicht und eindringlichmarkanter

 

Stimme böse Texte, die immer wieder von Frauen handelten und irgendwie eines miteinander gemein hatten – den Bezug zu

 

einer neuen Zahnbürste. Da war die Rede von einer „Gratis-Übernachtungsgelegenheit“ nach dem „Abschleppen einer

 

Alten“, von einer familienvaterbeherrschenden Ehefrau am Strand, von guten Ratschlägen für männersuchende einzelne

 

Damen „ziehen Sie niemals einen Poncho zu einem Tanzvergnügen an, denn der verdeckt Ihre interessantesten

 

Körperregionen“, von den „wahren Gründen für eine Schwangerschaft“ – „das ist einfach Langeweile“ – sowie von der neuen

 

Freundin, die sich bei näherem Hinsehen und –hören als recht unattraktiv entpuppte.

 

Auf altbekannte Gedichte und Märchen warf der Gedankenkünstler zudem ein völlig neues Licht. Theodor Fontanes „Herr

 

von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“, zuerst „normal“ vorgetragen vom Mödlicher Künstler Bernd Streiter, gestaltete

 

Sander, nur durch veränderte Betonung verschiedener Wörter, in einen Bericht über einen „reicheren älteren und

 

pädophilen“ Herrn um: „Oder was würden Sie sagen, wenn Ihre kleine Tochter jeden Tag etwas später als sonst von der

 

Schule heimkehrt und dazu jedesmal eine Birne geschenkt bekommt?“ Das gute alte Rumpelstilzchen hingegen wurde von

 

ihm haarscharf als „geschiedener Mann, den seine Exfrau um alles gebracht hat und der deshalb einsam im Wald leben

 

muss“, eingestuft.

 

Zum Abschluss – und nach reichlich gespendetem Applaus – erfüllte der Dauerlästerer den lautstarken Wunsch der Zuhörer

 

nach gleich zwei Zugaben: Nach der Schilderung einer mit ungutem Ausgang versehenen Kreuzfahrt kam die Frage aller

 

Fragen an die Reihe: „Wer war zuerst da – das Huhn oder das Ei?“ Mit der ihm eigenen Logik konnte Sander darauf eine

 

schlüssige Antwort geben: „Der Hahn – und dem hat der liebe Gott ein Ei und ein Huhn gegen seine Eintönigkeit gegeben.“

 

 

Kiebitz (Elbe- Jeetzel- Zeitung) K. Beck